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  Rennradabenteuer Italien 2006 - Der 7.Tag

Sizilien wir kommen - Bis zur berühmten Straße von Messina sind es heute Vormittag nur noch 60 Kilometer. Ein Kinderspiel für uns. Die Fähre nimmt uns hinüber nach Sizilien. Entlang der nördlichen Küste erreichen wir heute Abend Palermo, wo bereits unser komfortables Fährschiff mit schönen Doppelkabinen mit Du/Wc, schönen Salons, Kino, verschiedenen Decks mit Restaurants, Unterhaltung auf uns wartet. Jetzt nach 1.460 Kilometer Rad in 7 1/2 Tagen wird auch der härteste Ausdauer(tri)athlet glücklich und zufrieden sein, wenn er sich auf eine herrliche Rückreise auf See im Kreuzfahrtenflair freuen darf.


VON BERND MÜLLER
Siebter Tag: die Unersättlichen
Das hätte wohl keiner von uns gedacht: Statt das Ende herbeizusehnen, wuchs auf dem letzten Abschnitt der Tour die Unersättlichkeit.


Zum einen ist da die Kilometer-Sammelleidenschaft: Die nächste runde 100er-Zahl auf den Tacho fahren, eine neue Maximalmarke für die eigene Sportler-Biographie setzen. Zum anderen ist da die Umgebung. Nach dem vielen Verkehr in den beiden Großräumen Rom und Neapel macht jetzt die Landschaft neue Lust aufs Rennradfahren.
Lust? Das Wort ist zu schwach. Sucht trifft es eher. Das Adrenalin tut seine Wirkung. Wenn man in einer Gruppe die Küstenstraße entlang düst, sind alle Schmerzen plötzlich wie weggeblasen. Es ist ein perfekter Tag, da sind wir uns einig. Wenn die Amalfiküste (6. Tag) hinter einem liegt, wird Italien plötzlich ganz entspannt: Wenig Verkehr, die Küste zwar nicht mehr so spektakulär felsig, aber mindestens genau so schön. In einem kleinen Dorf werfen uns vielleicht 16-jährige Mädels Kusshände zu. Die ganz Schnellen wie auch die Langsameren in unserer Gruppe sind gleichermaßen unersättlich. Dazu kommt, dass viele Radler schon Teile Italiens kennen: den Gardasee, Rom, Neapel - hier in Ligurien und Kalabrien war aber noch kaum einer. Wynfrith sagt: "Ich muss nochmal hier her zum Radfahren."
Drum war auch der Zieleinlauf bei Villa San Giovanni - aus Zeitgründen und wegen der Schnellstraße fahren wir auf Sizilien nur Bus - von gemischten Gefühlen begleitet: "Ich hätte jetzt noch weiter fahren wollen", war immer wieder zu hören. Einige waren natürlich auch erleichtert. "Mir tut alles weh, das Ziel kommt genau zum richtigen Zeitpunkt."
Ganz komisch kommen wir uns in Zivilkleidung vor. Kleider machen Leute. Binnen sieben Tagen waren die Radklamotten zur normalen Erscheinungsform geworden. Wir haben ungewöhnliches vollbracht, jetzt sind wir wieder normale Menschen - und ein bisschen traurig darüber. Jürgen Hauber, der erfahrene Triathlet, hilft uns zumindest ein wenig drüber weg. "Nach sieben solchen Trainingstagen ist ein Ruhetag beinahe überfällig." Den genießen wir jetzt auf der Fähre von Palermo nach Genua.
Statistik: 14 Radler sind in sieben Tagen zusammen exakt 15 242 Kilometer gefahren. Jeder der Teilnehmer saß zwischen 859 und 1300 Kilometer auf dem Sattel. Zwei Stürze ohne schwere Folgen, eine technische Panne (Kettenriss) und ein Platten mussten weggesteckt werden.

  Bilder vom 7.Tag
       
       
       
       



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